Symbol für närrischen MachtanspruchIn Neckartailfingen kündigt seit Samstag der Narrenbaum der Liebenau-Häxa
die tollen Tage an
Mit großem Hallo und vielen Gästen stellten am vergangenen
Samstag die Neckartailfinger Liebenau-Häxa zum zweiten Mal ihren Narrenbaum
auf: Gemeinsam mit rund 100 Gästen stellten sie damit schon einmal klar, wer in
wenigen Tagen im Ort die Macht übernehmen wird.
Von Ralph Gravenstein
Mit viel Unterstützung eröffneten die Liebenau-Häxa unter
Regie von Zunftmeister Volker Lutz ihre aktive närrische Saison im Ort:
Zahlreiche befreundete Gruppen und Zaungäste waren am Samstagvormittag
gekommen, um der Hexentaufe auf dem Rathausplatz beizuwohnen. So tummelten sich
dort etwa Abordnungen der Grötzinger Klingenbachgeister, der Gumpengoischdr,
der Blue Diamonds, der Sielminger Heuler-Hexen, der Rewä-Hexen aus Gruppenbach
oder der „ew’gen Jäger“ aus Steinenbronn vor dem Podium. Dort ging es fast
schon gewohnt rau zu, wurden doch nicht nur fünf neue Hexen-Anwärter für die
Feuerprobe Fasnet 2010 eingeschworen, sondern auch fünf Täuflinge in den Zirkel
der Liebenau-Häxa aufgenommen. Die mussten sich allerlei gefallen lassen, um
die „Kräfte der Urhexe“ auch ganz sicher abzubekommen. Von der Salbung mit
Liebenau-Matsch über den Verzehr von fragwürdig schmeckendem „Ooziefer“ bis hin
zum obligatorischen Hexentrunk verabreichten die Taufpaten allerlei
Spezialitäten. Die musste sich dann allerdings auch der gesamte Vorstand
verpassen lassen, nachdem man offenbr drei Jahre lang verschwitzt hatte, Mithexe
Bernd Böhme seiner Taufe zuzuführen. Als Strafe für diese Vergesslichkeit
durfte Böhme auf die Taufwohltaten verzichten und stattdessen dabei mitwirken,
den vergesslichen Oberhexen die Taufsegnungen zukommen zu lassen – all dies
natürlich unter fröhlicher Anteilnahme des Publikums.  Das wurde dann musikalisch von den Neckar-Bätschern mit
Guggensound befeuert, während die Liebenau-Häxa sich zum Aufrichten ihres
Narrensymbols bereit machten: Mit vereinten Kräften und unter den
Segenswünschen der befreundeten Rewä-Hexen wurde dann der rund zehn Meter hohe
Narrenbaum aufgerichtet, unter dem zum Abschluss von den Liebenau-Häxa noch
einmal tüchtig getanzt wurde.
| Kein Widerstand gegen Narren in „Dolfeng“Rathaussturm in Neckartailfingen war in Minuten erledigt: Kleine Pannen und großer Spaß für kleine Narren Draußen stob der Schneewind durch die Kleidung, drinnen die Narren durch die Amtsstuben: So schnell wie in diesem Jahr war die Machtübernahme durch die Fasnet im Neckartailfinger Rathaus schon lange nicht mehr erledigt wie am Donnerstagmorgen.Von Ralph Gravenstein
Bürgermeister Jens Timm leistete in diesem Jahr keinen nennenswerten Widerstand und ließ sich schon in den ersten Minuten von den Kindern aus Schulberg-, Liebenau- und Mörikestraße-Kindergarten unter Leitung der Liebenau-Häxa festnehmen. Die hatten pünktlich um zehn Uhr zum Sturm aufs Rathaus geblasen, nachdem Zunftmeister Volker Lutz der Narrenschar – dabei auch die Gumpengoischdr und eine Abordnung der Neckar-Bätscher - die bewährte Strategie noch einmal erläutert hatte: Rein in die Zimmer und alle gefangen nehmen.  Kleine Pannen unterliefen den Liebenau-Häxa dann aber doch: So hatte man zunächst keine Schere zur Hand, um Timm den Schlips zu kürzen – in einer der Amtsstuben wurde dann aber schnell Ersatz organisiert und der Langbinder abgeschnitten. Gut verschnürt wurde dann der Schultes in den Ratssaal geschafft, wo er zur Herausgabe des Schlüssels zum Rathaus gezwungen wurde. Den gab er bereitwillig ab – wohl auch, um sich während der närrischen Tage von den Amtsgeschäften etwas erholen zu können. Für die rund 60 kleinen Narren galt es dann erst einmal, sich mit dem Schlüssel aus Hefeteig, der von der Bäckerei Mayer gestiftet worden war die kleinen Bäuche zu füllen. Obendrauf passten dann auch noch etliche der Bonbons, die die entmachtete Rathausmannschaft als Lösegeld bereit hielt.  Nach gut einer halben Stunde war der große Trubel dann auch schon wieder vorbei, man ging mit einem Glas Sekt für die erwachsenen Narren, das Rathaus- und Kindergartenpersonal zum ruhigeren Teil der Machtübernahme über, bevor die kleine Narrenschar sich wieder auf den Weg in die Kindergärten machte. |